Von anderen lernen: Die BürgerEnergie Rhein-Main e.G.

Die in manchen Augen vermessene Idee, sich ohne Stadt und ohne Stadtwerke an eine Wärmeplanung für die Oststadt in Viernheim zu trauen, hat Vorbilder. In unserer Region gibt es zahlreiche Bürgerenergiegenossenschaften, die sich mit der Energiewende befassen, Geld sammeln und gemeinsam in Energieprojekte investieren. Die Genossenschaft ist dafür eine gute Rechtsform, denn sie garantiert die Teilhabe ihrer Mitglieder, die Teilhabe an Gewinnausschüttungen sowie die Mitsprache an den gemeinsamen Projekten.

So betreiben Bürgerenergiegenossenschaften beispielsweise Photovoltaikanlagen oder Windräder, die sie mit gemeinsamem Geld kaufen, betreiben und die Gewinne wieder reinvestieren oder ausschütten.

Die folgenden stehen als beispielhafte Auswahl an Bürgerenergiegenossenschaften in der Nähe:

Und Wärmeprojekte?

Bürgerenergiegenossenschaften investieren gerne in PV und Windkraft. Wärmeprojekte, und vor allem solche, die ganze Stadtteile versorgen, sind da schon aufwändiger. Aber auch hierfür gibt es Beispiele.

Die BürgerEnergieRheinMain eG (Bermeg) hat sich auch an größere Projekte getraut und versorgt inzwischen erfolgreich einen Straßenzug in Walldorf mit Wärme und arbeitet an einem zweiten Projekt ähnlicher Größenordnung in Mörfelden. Daneben ist sie an verschiedenen Windparks und PV-Anlagen beteiligt, betreibt zwei Blockheizkraftwerke sowie 10 Ladesäulen. Die Wärme in Walldorf kostet dem Vernehmen nach derzeit 0,13 Euro pro kWh.

Die Bermeg hat im November letzten Jahres Informationsveranstaltungen zu einem neuen Nahwärmeprojekt durchgeführt und hier über ihr neues Projekt informiert. Ziel der Veranstaltung war auch, neue Investoren und Genossenschaftsmitglieder zu werben, insbesondere für das neue Wärmeprojekt in Mörfelden.

Das Konzept in Mörfelden sieht vor, 450 Quadratmeter Sonnenkollektoren aufzustellen und so die Warmwasserversorgung für den Sommer sicherzustellen. Für die Versorgung im Winter ist eine Hachschnitzelheizung vorgesehen, die mit natürlichem Abfallstoff aus den Wäldern der Region versorgt werden. Das Nahwärmenetz bemisst sich auf ca. 920 Meter, plus ca. 350 Meter für die Anschlüsse der einzelnen Häuser. Zusätzlich ist ein Gaskessel als Backup eingebaut.

Als Finanzierung für das rund 5 Millionen schwere Projekt ist eine Eigenfinanzierung von 1,1 Millionen Euro durch die Bermeg vorgesehen, also das Kapital, welches die Bermeg schon in anderen Projekten erwirtschaftet hat, plus das noch zu sammelnde Kapital durch neue Mitglieder und Nachrangdarlehen von Bürgerinnen und Bürgern. Die Bafa gibt als Zuschuss 1,9 Millionen Euro, insbesondere für das Nahwärmenetz. Die restlichen rund 2 Millionen Euro werden über eine Bank finanziert. Im November 2025 lagen seitens der Bank sowie der Bafa entsprechende Zusagen vor.

Learning Nr. 1: Es gibt weitgehende Zuschüsse für solche Projekte und auch für Banken ist die Finanzierung von Bürgerenergiegenossenschaften kein Neuland mehr!

Ein solches Projekt hat auch Risiken! Auch diese benennt die Bermeg auf ihrer Infoveranstaltung sehr transparent:

  • Wärmeabnehmer könnten kündigen
  • Wärmeabnehmer könnten insolvent werden
  • Es werden nicht genug Vorverträge für ein solches Projekt abgeschlossen
  • Haftungsrisiken (versicherbar!)
  • Defekte an der Anlage
  • Die Bermeg wird insolvent

Mit diesen Risiken muss ein „Investor“ oder Genossenschaftsmitglied umgehen. Viele der Risiken lassen sich allerdings managen durch Garantieleistungen, Versicherungen etc.

Learning Nr. 2: Es ist wichtig, zu Beginn sogenannte Ankerkunden zu gewinnen, die einen guten Teil der Wärme in der ersten Ausbaustufe eines solchen Projektes abnehmen. Das können zum Beispiel öffentliche Gebäude sein oder auch Schulen. Diese garantieren eine gewisse Mindestabnahme und senken damit das Risiko für das Gesamtprojekt.

Learning Nr. 3: Der Start eines solchen Projektes ist besonders schwierig. Zum Beispiel, wenn es nicht gelingt, alle Anwohner von Anfang an einzubeziehen. Manche wollen vielleicht erst mal abwarten und stoßen dann später dazu, andere verweigern sich ganz. Dem muss man Rechnung tragen und das Projekt entsprechend ausrichten.

Learning Nr. 4: Es ist sinnvoll, solche Anlagen erweiterbar zu bauen. Wenn weitere Wärmekunden hinzukommen, könnten dann weitere Heizkessen nachgerüstet werden oder auch das Netz sollte so ausgelegt werden, dass Erweiterungen später möglich sind.

Learning Nr. 5: Eine Backuplösung ist hilfreich für den Fall, dass die eigentlichen Heizkessel zu einem ungünstigem Zeitpunkt ausfallen. Für diesen Fall muss vorgesorgt werden.

Fazit

Das Beispiel der Bermeg zeigt, dass Wärmeprojekte auch ohne Stadtwerke oder andere „professionelle“ Betreiber möglich sind. Bei der Bermeg arbeiten und vor allem managen Bürgerinnen und Bürger den Geschäftsbetrieb weitgehend ehrenamtlich. Auch das geht also. Die Rechtsform der Genossenschaften bietet zudem die Möglichkeit einer breiten Beteiligung von Bürgerinnen und Bürger, die dann einen Teil der Energieinfrastruktur in ihren eigenen Händen halten!

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