Der folgende Text ging als Pressemeldung am 8.2.2026 an das Viernheimer Tageblatt sowie Viernheim-Online.de
vom Wolfram Theymann
Als Eigentümer eines Hauses oder einer Wohnung mit einer älteren Heizung sind die Zeiten nicht leicht. Egal ob ein kleines Häuschen für sich allein, ein großes Haus mit vermieteten Wohnungen oder eine Wohnung in einer Wohneigentümergemeinschaft – alle werden früher oder später entscheiden müssen, wie sie in Zukunft heizen wollen. Wenn man nun beispielsweise in seinem Haus eine ältere Gas- oder Ölheizung betreibt und diese ausfällt, müsste man kurzfristig eine Entscheidung treffen. Entscheidet man sich heute für eine neue Gasheizung und das Gas wird in den kommenden Jahren sehr viel teurer, hat man schnell viel Geld in den Sand gesetzt.
Eine Unterstützung soll die „Kommunale Wärmeplanung“ sein. Der Staat verpflichtet die Kommunen, eine kommunale Wärmeplanung zu erstellen und den Bürgerinnen und Bürgern darin Auskunft geben, wie die Häuser in den verschiedenen Stadtteilen in Zukunft beheizt werden sollen. Für Viernheim liegt hier so gut wie alles noch im Dunklen. Auf Informationen seitens der Stadt können Eigentümer also noch nicht setzen.

Andere Kommunen sind da weiter. Weinheim baut eifrig am Ausbau seines Wärmenetzes, Mannheim ist mit seiner Wärmeplanung ziemlich fertig und baut sein Fernwärmenetz auf über 80 Prozent der Haushalte aus. Lampertheim und andere Kommunen haben sich zusammengeschlossen und arbeiten gemeinsam an Modellen für die Wärmeversorgung, die GGEW, die Stadtwerke von Bensheim, informieren offen über ihre bisherigen Pläne etc. Mancherorts geht es also voran.
In der Brundtlandstadt Viernheim gibt es dazu bisher wenig, worauf sich Eigentümer verlassen können. Klar ist, Öl und Gas werden teurer werden wegen der CO2-Abgabe und wegen geopolitischen Unsicherheiten.
Eine Lösung ist eine Wärmeversorgung, mit der eine ganze Stadt, Stadtteile oder einzelne Straßenzüge mit einer zentralen Heizung und per Wärmeleitung versorgt werden. Hier gibt es viele Beispiele, auch aus der näheren Umgebung. Sowas geht also und ist finanzierbar – zumal die Bafa (Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) derzeit hohe Zuschüsse zum Bau von Wärmenetzen gibt.
Bürgernetzwerk geht mit Planung voran
Das Bürgernetzwerk hat sich vorgenommen, selbst Dinge zu tun und nicht nur als Wählergruppe Anträge im Parlament einzubringen und die Stadt machen zu lassen. So wurde im November 2025 ein gemeinsames Projekt mit der SRH-Hochschule bzw. die „School of Technology and Architecture“ als Partner ins Leben gerufen. Für den Stadtteil Oststadt (rund um die Franconville- und Zwingenbergerstraße) soll ein Konzept für eine zentrale Wärmeversorgung für die Mehrfamilienhäuser in diesem Stadtteil erarbeitet werden. Ein Masterstudent arbeitet mit einem Team von Bürgerinnen und Bürgern aus dem Bürgernetzwerk als auch von Bürger Initiativ bis Ende Februar 2026 an einem Konzeptvorschlag.
Der aktuelle Projektstand setzt dabei auf die Wärmeversorgung durch eine Großwärmepumpe, die dabei auf einen Wärmespeicher zugreift, die Wärme aus dem Sommer speichert und für den Winter bereitstellt. „Für uns ist es ein Experiment“, sagt Wolfram Theymann, der das Projekt begleitet. „Wir haben es so angelegt, dass nachher einzelne Komponenten im Prozess der Wärmeerzeugung ausgetauscht und neu gerechnet werden können. Wir haben bisher schon viel gelernt und ich hoffe, dass wir auch einen Vergleich vorgerechnet bekommen, um zu schauen, was eine Einzellösung für ein Mehrfamilienhaus im Vergleich kostet. Das könnte spannend werden!“
Ist das nicht eigentlich Aufgabe der Stadtwerke? „Ja“, sagt Theymann, „aber was sollen denn die machen, die heute eine Entscheidung treffen müssen und nicht warten können? Und es gibt ja gute Beispiele, wo Bürgerenergiegenossenschaften das in die Hand nehmen, Konzepte erarbeiten und umsetzen. Da entsteht neue Infrastruktur in Bürgerhand. Vielleicht ist das ja gar nicht so schlecht, wenn Bürger an ihrer eigenen Infrastruktur beteiligt sind, ggf. daran mitverdienen können und vor allem die Kontrolle nicht jemandem anderen überlassen müssen? Wobei für mich noch vollkommen offen ist, wer ein solches Modell nachher umsetzen soll und vor allem ob überhaupt. Wir lernen hier noch!“
Die Bewohner der Mehrfamilienhäuser in der Oststadt erhalten die Tage eine Einladung ein paar Fragen mit einem kurzen Fragebogen zu beantworten und damit den Projektplanern mit ein paar Infos zu helfen. Die Ergebnisse der Arbeit des Studenten werden nach Fertigstellung auf der Webseite des Bürgernetzwerks, von Bürger Initiativ und anderen veröffentlicht und auch in einer oder mehreren öffentlichen Veranstaltungen vorgestellt.
Mehr Info: https://buergernetzwerk-viernheim.de/ein-waermekonzept-fuer-die-oststadt/
Wer zu dem Projekt und weiteren Aktivitäten auf dem Laufenden bleiben will, kann auf der Webseite des Bürgernetzwerks auf den Mailverteiler des Bürgernetzwerks aufgenommen werden.
