Hilfe für die Stadtverwaltung: Wo man überall entsiegeln könnte

In der Junisitzung der Stadtverordnetenversammlung hat das Bürgernetzwerk einen Antrag eingebracht und wollte, dass die Stadtverwaltung Flächen identifiziert, die entsiegelt werden können. Beton- und Asphaltflächen im Stadtgebiet heizen sich bei starker Sommerhitze auf und speichern die Hitze noch bis in die Nacht. Wenn es weniger davon gäbe, wäre unsere Stadt kühler.

Bauamt braucht dafür „…Monate, wenn nicht Jahre…“

Damals antwortete der Erste Stadtrat Jörg Scheidel, dass seine Leute im Bauamt dafür „Monate, wenn nicht Jahre brauchen würden“. Das war eines der Argumente, weshalb der Antrag letztendlich abgelehnt wurde. Wir haben uns gedacht, da können wir doch bestimmt helfen! Und zwar mit Bürgerpower, indem wir die Bürger fragen und mal sammeln, wo man überall entsiegeln könnte. Das haben wir getan und hier sind die Ergebnisse.

Bürgerinnen und Bürger hatten uns innerhalb von zwei bis drei Wochen viele Vorschläge geschickt. Teilweise mit Bildern. EIGENTLICH hätte das Ergebnis also schon viel früher dokumentiert und veröffentlicht sein sollen. Aber wir machen das nur ehrenamtlich und es war leider zu wenig Zeit. Jetzt aber können die Ergebnisse endlich veröffentlicht werden!

Flächen gefunden und gezeigt, wie man mit „Bürgerpower“ noch vorankommen kann

Zum einen haben wir hier auf einfachem Wege Flächen gefunden, die man entsiegeln könnte. Zum anderen zeigen wir damit aber auch neue Wege auf, wie man Probleme noch lösen kann. Die Aktion hat gezeigt, dass innerhalb weniger Tage das gemacht werden kann, wofür die Verwaltung mehr Zeit braucht. Zugegeben: Es sind nicht alles Flächen gemäß der Spezifikation in unserem Antrag und manches ist zudem Privat- und nicht städtisches Gelände. Aber letztendlich geht es doch ums Anfangen und Machen. Hier nun die Liste, mit der die Stadt anfangen könnte, zu entsiegeln!

Wir danken allen Bürgerinnen und Bürgern fürs Mitmachen!

1. Innenstadt

Die Innenstadt wurde am häufigsten genannt und als notwendigste Fläche zur Entsiegelung bezeichnet. Die Fläche kennt jeder Bürger und jede Bürgerin in Viernheim. Den letzten Versuch, etwas Grün in die Innenstadt zu bringen, hatte zwar nicht die Absicht zu entsiegeln, sondern zu begrünen, gab es vor inzwischen einigen Jahren und die drei Blumenkübel in die Nischen der Apostelkirche gestellt. Ob diese eine feststellbare Kühlung verursachen, ist nicht überliefert.

1a. Baumscheiben Apostelplatz

    Mit der Sanierung der Innenstadt und des Apostelplatzes wurden viele Bäume entfernt und durch wenige neue ersetzt.

    Die wenigen neuen Bäume sind von einer Baumscheibe umgeben, die mit Steinen bedeckt und beklebt ist. Hier schlagen Bürgerinnen und Bürger vor, diese zu entsiegeln und zu bepflanzen.

    2. Kreisel Friedrich-Ebert/August-Bebel-Straße

    Der Kreisel Friedrich-Ebert-Straße/August-Bebel-Straße ist ja nur provisorisch erstellt und wird irgendwann einmal „richtig“ umgebaut. Bis dahin – so der Vorschlag – kann wenigstens der eigentliche Kreisel vorübergehend begrünt werden, indem der Ring aus Betonteilen mit Erde aufgefüllt und begrünt wird. Die Natur hat ja schon mal angefangen…

    Auch das Umfeld des Kreisels mit seinen Einfahrten in den Kreisel sollte entsiegelt und begrünt werden.

    Vielleicht kann man auch hier schon mal anfangen?

    3. Kurpfalzplatz vor dem Bürgerhaus

    Der Platz vor dem Bürgerhaus ist ja noch Baustelle bzw. Parkplatz für die Zeit während der Baustelle in der Saarlandstraße. Danach soll der Platz auch gemacht werden. Aktuell und vorher gäbe es viel zu entsiegeln. Mal schauen, wie viel zu entsiegeln bleibt, wenn die Baustelle fertig ist…

    4. Kahl gemähte Friedhofswiesen

    Die kahl gemähte Friedhofswiese wurde als Vorschlag ebenfalls genannt. Nun ist diese Fläche in der Tat schon entsiegelt, wenn auch das kahl mähen eher negative Folgen hat für das Aufheizen der Stadt. Eine kurz geschorene Wiese nimmt mehr Wärme auf, als wenn dort noch Grün stehen bleibt. 20 Grad Unterschied bei der Bodentemperatur sind da gut möglich. Insofern ist das wohl nicht als ein Vorschlag zum Entsiegeln aufzufassen, als vielmehr zu hinterfragen ob in den Hitzewellen die Wiesen tatsächlich so kurz gemäht werden müssen.

    5. Wasserspielplatz ohne Wasser

    Im Bannholzgraben gibt es am Adolf-Loos-Weg einen Wasserspielplatz, der schon seit Jahren ohne Wasser auskommen muss und daher keinen Sinn macht. Entweder man nimmt ihn wieder in Betrieb, dann leistet er seinen Beitrag zu heißen Sommern, indem die Kinder dort im Wasser spielen können, oder aber er kommt auf die Liste der Vorschläge zum Entsiegeln! Es gibt dort auch ein paar Bäume. Leider haben die Verantwortlichen aber Bäume gewählt mit kleinen Baumkronen. Das ist praktisch, wenn man die Blätter im Herbst nicht wegmachen will, aber unpraktisch, wenn es darum geht, Schatten in die Wohngebiete zu bringen.

    6. Ende Karl-Marx-Straße / Bürgerhauskreisel

    Rund um den Bürgerhauskreisel gibt es einige Flächen, die man entsiegeln könnte oder die man vielleicht auch bepflanzen sollte. So zum Beispiel die Flächen am Ende der Karl-Marx-Straße, die in die Lampertheimer Straße einmünden. Dort sind geteerte Flächen am Bürgersteig zu finden, große unbepflanzte Baumscheiben sowie einige Sperrflächen auf der Straße.

    7. Parkplatz des Rhein-Neckar-Zentrums

    Den Parkplatz des Rhein-Neckar-Zentrums kennen wohl alle Viernheimer und Viernheimerinnen. Dort stehen zwar einige Bäume, doch trotzdem heizt sich die riesige Parkfläche im Sommer gut auf und gibt die gespeicherte Hitze bis in die Nacht ab. Gerade die Anwohner der gegenüberliegenden Mannheimerstraße dürften die Hitze den gesamten Sommer gut wahrnehmen. Kann das Regenwasser, welches sich dort bei Regen und Starkregen sammelt, vor Ort versickern oder wird es abgeleitet? Versickern wäre gut. Die nächste Frage ist, ob die Fläche nicht durch Photovoltaikanlagen beschattet werden könnte? Das verhindert wenigstens ein allzu starkes Aufheizen und produziert dabei noch Strom. In anderen Ländern ist es Vorschrift, dass auf den Parkflächen (neue) Handelsimmobilien PV installiert wird. Vielleicht kann das RNZ den Strom sogar für die Kühlung der Einkaufsstraße verwenden?

    8. Heinrich-Lanz-Ring / Ecke Mannheimer Straße

    9. Rasenfläche Fröbelschule

    Rund um die Friedrich-Fröbel-Schule sind einige Grünflächen, wie beispielsweise entlang des Königackers. Dort stehen zwar bereits ein paar Bäume, aber zusätzliche Bäume oder Bepflanzung generell wurden dem Stadtteil ebenfalls helfen, etwas kühler zu werden. Zusätzlich könnte das Regenwasser von den Dächern der Schule auf der Rasenfläche versickern. Dazu müsste man sie vielleicht etwas absenken. Interessant ist, dass an der Fröbel-Schule gerade Möglichkeiten der Verschattung an die Fenster angebaut wurden. Zusätzliche Bäume auf den Rasenflächen würden zusätzlich Schatten und durch die Verdunstung Abkühlung bringen.

    10. Schulhöfe der anderen Schulen

    Genannt wurden dann die gesamten Schulhöfe aller anderen Schulen. Der Schulhof der Goetheschule hat bereits ein paar Schattenspender erhalten. Dort stehen große Sonnenschirme, um den Aufenthalt auf dem Schulhof auch im heißen Sommer zu ermöglichen. Schönes Beispiel zum Abgucken für andere Plätze und Flächen.

    11. Litfaßsäule Friedrich-Ebert-Straße

    In der Friedrich-Ebert-Straße Ecke August-Bebel-Straße steht eine Litfaßsäule auf einem sehr breiten asphaltierten Gehweg. Der wurde ebenfalls zur Entsiegelung vorgeschlagen!

    12. Kita Kapellenberg

    An der Kita Kapellenberg standen einst noch große Bäume mit breiten Baumkronen. Die wurden zugunsten des Anbaus zur Kindertagesstätte gefällt. Manche stellen infrage, dass das Fällen notwendig gewesen ist. Als privater Bauherr muss man oft Kompromisse eingehen, wenn es um alte Bäume geht. Die Stadt muss das offenbar nicht. Egal: Sie sind weg und nun sind dort Parkplätze und anderes. Also Potenzial für Entsiegelung!

    13. Bolzplatz August-Bebel-Straße

    Der Bolzplatz an der August-Bebel-Straße könnte stärker bepflanzt werden und ebenfalls ein paar Bäume für die Beschattung gebrauchen. Ebenso könnte man prüfen, ob nicht das Regenwasser von den Dächern des Kindergartens auf dem Bolzplatz versickern könnte.

    14. Bushaltestellen

    Früher gab es an den Bushaltestellen ja mal Wartehäuschen. Heute nur noch an manchen Haltestellen. Vorgeschlagen wurde, die Bushaltestellenhäuschen zu begrünen und wenn möglich die Flächen an den anderen Haltestellen.

    15. „Neubauviertel“ Franz-Schubert-Straße

    In der Franz-Schubert-Straße sind vor einigen Jahren neue Häuser entstanden und davor Parkflächen und kleine Grünflächen. Hier könnten ein paar mehr Bäume und ein höherer Bewuchs der Grünflächen helfen.

    16. August-Bebel-Straße Ecke Albertus-Magnus-Straße

    An der Ecke August-Bebel-Straße und Albertus-Magnus-Straße ist ein großes Stück asphaltierter Gehweg, der weder als Gehweg noch als Parkfläche benutzt wird. Heir könnte man die angrenzende Grünfläche erweitern.

    17. Weinheimer Straße rund um die Einmündung der Heppenheimer Straße

    Viele kennen den Weg über die Weinheimer Straße stadtauswärts zur Autobahn. An der Einmündung Heppenheimer Straße gibt es einige Flächen, die für den Straßenverkehr nicht mehr benötigt werden, die teilweise abmarkiert sind, aber teilweise auch einfach zu großzügig der Straße zugeschlagen sind. Hier kann man eine Menge entsiegeln und bepflanzen.

    18. Mannheimer Straße / Mönchhofstraße

    19. Vorgärten am Berliner Ring

    Genannt wurden auch einige Vorgärten in der Stadt, die gepflastert sind, und auf zwei aktuelle Beispiele am Berliner Ring, Ecke Karl-Marx-Straße verwiesen.

    Wir halten fest:

    Erstens: Mit „Bürgerpower“ lassen sich in kurzer Zeit einige Beispiele finden, wenn man entsiegeln möchte. Man muss nur fragen! Das geht sicherlich auch nochmal, wenn man noch mehr sucht!

    Zweitens: Auch ohne die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes für Stadtentwicklung und Umweltplanung „über Monate, wenn nicht Jahre“ (Zitat Jörg Scheidel) zu beschäftigen, kann man ganz einfach Flächen identifizieren, die man in der Folge entsiegeln kann.

    Drittens: Es wurden weiterhin viele Stellen genannt, wo die Stadt große Bäume mit ausladenden Baumkronen gefällt hat, wie am Heinrich-Lanz-Ring für das Flüchtlingsheim, am Kita Kapellenberg, an der Baustelle für den Kreisel am Bürgerhaus, wo viele alte Bäume gefällt wurden und danach vielleicht ein paar junge Bäume gesetzt wurden. Diese werden noch Jahre brauchen, bis sie so groß sind, dass sie einen Beitrag zur Kühlung leisten können. Viele der Bürgerinnen und Bürger haben diesen Punkt benannt und gefordert, die Stadt solle selbst weniger Bäume fällen.

    Viertens: Die Aktion, dem Bürgernetzwerk Fächen zu melden, lief nur kurz. Es wurden einige Flächen mehrfach benannt, vor allem die ganz offensichtlichen wie die Innenstadt. Hätten wir nachgefragt, wären sicherlich noch viel mehr Möglichkeiten dabei herausgekommen. Mal schauen, was die Stadt nun damit macht und wo sie begint zu entsiegeln…

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