Wenn Ihr Schatten auf Spielplätzen wollt, wartet halt‘ bis die Bäume größer sind…

Leserbrief von Wolfram Theymann

Über Schatten und Entsiegelung haben Politik und Stadtverwaltung diesen Sommer schon viel gesprochen. Auch in der Augustsitzung des Stadtparlaments wieder, mit einem guten gemeinsamen Beschluss, das mal grundständig anzugehen. Interessant war der letzte Tagesordnungspunkt, bei dem die UBV nachfragte, was denn aus der Beschattung des Kinderspielplatzes am Spitalplatz geworden ist. Die wurde nämlich schon 2021 beschlossen, passiert ist nur nichts. So fragte die UBV konkret, warum denn trotz klarer damaliger Vorgaben keine Umsetzung erfolgt sei und wer dafür verantwortlich ist.

Der zuständige Baudezernent Jörg Scheidel verwies in der Beantwortung der Frage darauf, dass wegen der darunter liegenden Tiefgarage eine weitere Bepflanzung als auch Sonnensegel schwierig seien. Eine Bepflanzung sei aber erfolgt, man müsse nur warten, bis die Bäume groß genug sind. Und man könne ja den Schatten anderswo aufsuchen, zum Beispiel im Tivolipark.

Also jetzt mal im Ernst: Wenn ich mir die Bäume im Umfeld dieses Spielplatzes so anschaue, müssen diese – gelinde gesagt – schon sehr sehr groß werden, um eine Beschattung vor allem der Spielgeräte zu den Spielzeiten zu gewährleisten. Und wenn man nun den Schatten anderswo aufsuchen soll, hätte man sich den Spielplatz auch sparen können und gleich auf andere Spielplätze verweisen.

Warten bis die schattenspendenden Bäume größer sind…

Weiter heißt es, dass auch eine Beschattung durch Sonnensegel geprüft und verworfen worden sei.

Eine solche Antwort fordert uns als Bürgernetzwerker natürlich heraus. So haben wir von uns mal Kontakt zu ein paar Fachfirmen in der Region aufgenommen. Und siehe da, es gibt Lösungen! So kann man die Sonnensegel zum Beispiel auch in der Betondecke der Tiefgarage befestigen! Und wenn man statt einem großen zwei oder mehrere kleine Segel verwendet, ist auch das Thema Windlast nicht mehr so ein großes Problem.

Dann ein bisschen weiterrecherchiert: So erfährt man dann, dass es auch fundamentfreie und freistehende Rahmensysteme gibt, die komplett ohne Verankerung auskommen, zur Lastminimierung kann man automatisch rollbare Sonnensegel verwenden, man könnte die Masten auf den Tragpfeilern der Tiefgarage verankern oder auch schauen, ob nicht ein Sonnenschutz an den Spielgeräten selbst angebracht werden kann. Oder man kann auch mit großen Sonnenschirmen arbeiten, zum Beispiel so, wie es auf dem Hof der Goetheschule gemacht wurde.

Jetzt wird es wieder heißen, das Bürgernetzwerk stelle sich das alles so einfach vor und wir hätten ja keine Ahnung. Also werfen wir doch mal einen Blick in die Nachbarschaft. Zum Beispiel auf die Spielplätze in der Bahnstadt Heidelberg, die ebenfalls das Problem mit den Tiefgaragen hat. Hier wurden große Sonnenschirme und flexible Sonnensegel montiert und die Haltemasten auf die Unterstützungspfeiler der Tiefgarage gedübelt. Es gibt weitere Beispiele in der Region, wo man schauen könnte, wie die das denn hinbekommen haben, mit großen Sonnensegeln oder Sonnenschirmen, oder wahlweise auch mit mehreren kleinen Segeln, um Gewicht und Windlasten einzusparen.

Und Schirme sollten eigentlich immer gehen. Die stehen ja in der Gastronomie auch mit Gewichten einfach auf dem Boden. Das sollte am Spitalplatz ebenso gehen und man könnte die Schirmfüße und die Gewichte sogar mit dem Spielsand bedecken, dann sieht man noch nicht mal, dass diese nur hingestellt wurden. Bensheim arbeitet in seiner „Spielplatz-Offensive“ viel mit großflächigen, fest installierten Sonnenschirmen. Auch dort könnte der Erste Stadtrat ja mal anrufen und sich Rat holen. Die Bensheimer Spielplatz-Offensive verfolgt das Ziel, ihre Spielplätze sukzessive mit Beschattungen auszustatten. Vielleicht ist auch das ein Beispiel, das eine nähere Betrachtung wert ist.

Das mit der Beschattung wäre also auch anders lösbar – Kosten und Aufwand mal dahingestellt. Aber wenn andere es tun können, sollten wir auch dazu in der Lage sein. Die andere Frage ist, inwieweit auf die fachlichen Antworten des Ersten Stadtrats Verlass ist, wenn man durch einfache Recherche und ein paar Telefonate plötzlich doch zu möglichen Lösungen kommt.

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