Im Rahmen der Projektarbeit zu einem Wärmekonzept für die Oststadt brauchen wir Daten zum Wärmebedarf für den Stadtteil. Das bedeutet, wir brauchen von allen Häusern, die hier einbezogen werden sollen, Verbrauchsabrechnungen für Gas, Öl und ggf andere Energieträger, die hier zum EInsatz kommen. Aus den Jahresabrechnungen ergibt sich dann der Energiebedarf für ein ganzes Jahr und aus diesem kann man ableiten, welche Heizleistung die Heizung für den Stadtteil benötigt, um dann die Wärme per Fernwärme in die Häuser zu bringen.
(Zur Erinnerung: Die Projektarbeit soll zunächst erst die Mehrfamilienhäuser abdecken, denn für diese sind Wärmepumpenlösungen eine andere Hausnummer als für Einfamilienhäuser. Aus diesem Grund haben wir zunächst nur die Mehrfamilienhäuser im Fokus. Werden diese später mal wärmeisoliert und benötigen dann weniger Energie, kann die Wärme, die hier eingespart wird, dann auch in den Einfamilienhäusern verwendet werden.)
EIGENTLICH wollten wir vor Projektstart Kontakt mit den Mietern, Eigentümern und Hausverwaltungen aufnehmen, diese einladen und über das Projekt informieren. Das hat sich aus verschiedenen Gründen erst verschoben und war dann zeitlich bedingt durch die Weihnachtspause irgendwann nicht mehr projektgerecht. So arbeiten wir nun mit einer Schätzung des Wärmebedarfs.
Wie schätzt man den Wärmebedarf für einen Stadtteil?
Für den aktuellen Projektstand reicht eine ungefähre Schätzung aus. Der Wärmebedarf wird, wie gleich zu zeigen sein wird, bei rund 6 Gigawattstunden Energie liegen. Das ist schon eine Menge. Wenn man hierfür eine technische Lösung sucht, kommt es am Ende in dieser Größenordnung nicht darauf an, ob es tatsächlich ein paar Megawatt mehr oder weniger sind. Wir wollen ja am Ende vor allem wissen, was denn die Energie aus einem solchen System kostet und ob das konkurrenzfähig zu Einzellösungen ist.
Als ersten Schritt haben wir die Mehrfamilienhäuser in der Oststadt in eine Liste aufgenommen und anhand der Briefkästen die Anzahl der Wohnungen ermittelt. Wir haben hier 33 Mehrfamilienhäuser aufgenommen. Das kleinste Haus hatte dabei 4 Wohnungen, das größte 45. Insgesamt reden wir von 552 Wohnungen, für die wir die Wärmeversorgung planen.
Für die Schätzung haben wir drei Zugangswege gefunden:
Zahlen der Baugenossenschaft
Die Baugenossenschaft Viernheim unterhält in der Oststadt eigene Gebäude und vermietet die Wohnungen. Wir wissen zusätzlich, dass die Baugenossenschaft aus der Heizzentrale ihre eigenen Gebäude auch ein paar weitere Gebäude in direkter Nachbarschaft mit Wärme versorgt.
Dazu haben wir Daten erhalten. Insgesamt 8 Mehrfamilienhäuser sind es an der Zahl und den Angaben der Baugenossenschaft gemäß 178 Wohnungen, für deren Beheizung und Versorgung mit Warmwasser 1,9 Gigawattstunden Energie aufgewendet werden müssen.
Damit haben wir den Energieverbrauch von rund einem Drittel der Wohnungen. Davon ausgehend, dass die Wohnungen im Stadtteil alle einen ähnlich hohen Energieverbrauch haben, ergibt sich (grob) geschätzt ein Energieverbrauch von rund 6 Gigawattstunden Energie pro Jahr für die Mehrfamilienhäuser in der Oststadt.
Wärmeatlas Hessen
Der Wärmeatlas Hessen zeigt den Wärmebedarf für Raumwärme und Warmwasser in der „gewünschten Planungseinheit“ an – sei es ein Quartier, eine Kommune oder ein einziger Straßenzug. So wirbt die Webseite des Wärmeatlas Hessen vollmundig. Ganz so einfach ist allerdings dann doch wieder nicht. Aber für einen Anhaltspunkt reicht es.
Der Wärmeatlas zeigt eine Karte Hessens an, in die man bis auf Ebene Viernheim hineinzoomen kann. Die Daten sind allerdings auch nicht genau, sondern kommen aus einer Kombination verschiedener Datenquellen wie Gebäudeinformationen, statistischen Daten, durch Daten der Energieversorger, von Schornsteinfegern und Klimadaten und sind dann auch nicht gebäudebezogen.
Im Wärmeatlas erhält man Daten über ein Raster (siehe folgendes Bild), über Baublöcke und über Straßen. Bei allen drei Darstellungsarten sind immer auch Gebäude enthalten, die für das Projekt nicht relevant ist, daher auch hier wieder nur eine Näherung an den Bedarf.

Addiert man die Straßen, Baublöcke oder Raster die für die zu untersuchenden Gebäude in Frage kommen, erhält man folgende Ergebnisse:
Erfassung nach Straßen: 4,779 GWh
Erfassung nach Raster: 4,393 GWh
Erfassung nach Baublöcken: 5,487 GWH
Die Erfassung nach Baublöcken ist nach unserer subjektiven Ansicht die realistischste, da hier die relevanten Gebäude meist enthalten sind und nicht relevante am ehesten nicht. Aber wie gesagt, genau ist anders!
Geht man nach dem Wärmeatlas, sollte von einem Energiebedarf zwischen 4,5 und 5,5 Gigawattstunden pro Jahr ausgegangen werden.
Stadtwerke
Wenn wir den Energieverbrauch eines Stadtteils wissen wollte, müssten die Stadtwerke eine relevante Quelle sein. Denn sie dürften einen guten Teil der Heizenergie per Erdgas liefern.
Wir haben den Stadtwerken die Liste der 33 Gebäude geschickt, die wir in der Planung haben und darum gebeten, man möge uns doch bitte den Energieverbrauch jeweils mitteilen für unsere Berechnungen. So einfach haben es uns die Stadtwerke aber leider nicht gemacht. Sie haben – für uns sehr nachvollziehbar – begründet, dass sie nicht wissen, ob die Eigentümergemeinschaften jeweils einverstanden sind mit der Datenübermittlung an uns. Das konnten wir gut akzeptieren – wenn wir als Eigentümer betroffen wären, hätten wir eine Datenweitergabe so durch die Hintertür vermutlich auch nicht einfach so hingenommen.
Außerdem haben Sie uns mitgeteilt, dass in der Liste der 33 Häuser nur 11 einen Gasanschluss haben. Der Rest heizt anders. Es wird also in der Oststadt vermutlich noch stark auf Heizöl gesetzt.
Über diese 11 Gasanschlüsse wurde im Durchschnitt der letzten 4 Jahren 370 MWh Energie aus Erdgas pro Anschluss verbraucht. Das wären dann rund 4,07 Gigawattstunden Energie aus Erdgas pro Jahr für die 11 Gasanschlüsse zusammen.
Was die Stadtwerke nach eigenem Bekunden nicht wissen, ist, ob die durch die Stadtwerke mit Gas versorgten Heizzentralen eventuell andere Häuser mitversorgen. Wir wissen von einer solchen Heizzentrale. Aus dieser werden insgesamt 8 Häuser versorgt, so dass damit also 18 Häuser den genannten Energieverbrauch von 4,07 GWh haben. Es kann sein, dass es weitere Gebäude mit einer gemeinsamen Heizzentrale gibt
Für die Gebäude, die keinen Gasanschluss haben, haben die Stadtwerke als Gaslieferant natürlich keine Daten.
Damit brauchen etwas mehr als die Hälfte der Gebäude rund 4 Gigawattstunden Energie für Heizung und Warmwasser. Sollten sich weitere Gebäude eine Heizzentrale und damit einen Gasanschluss teilen, wäre es noch mehr Gebäude. Welche Gebäude das genau sind, und vor allem, ob das eher größere oder kleinere Gebäude sind, lässt sich aus den Angaben nicht ermitteln. Es bleibt die Info, dass mindestens 18 von 33 Gebäuden rund 4 Gigawattstunden Energie pro Jahr benötigen.
Schlussfolgerung
Alle drei Erfassungsmethoden haben ihre Ungenauigkeiten und basieren eben nicht auf genauen Verbrauchsdaten. Hier sind die Daten der Baugenossenschaft noch am genauesten und lassen vermutlich die besten Schlüsse zu. Damit wären wir bei einem ungefähren Energiebedarf von 6 GWh. Orientiert man sich an den Daten des Wärmeatlas, der auf „modellierten“ Daten beruht, sollte der Energieverbrauch zwischen 4,5 und 5,5 GWh liegen. Wenn man sich an den Stadtwerken orientiert und schon knapp über die Hälfte der Gebäude 4 GWh benötigen, sollte der Gesamtverbrauch vielleicht bei 7GWH oder sogar noch höher liegen.
Für die weiteren Berechnungen gehen wir nun von einem Gesamtenergiebedarf von 6 Gigawattstunden an Energie für die Mehrfamilienhäuser in der Oststadt aus! Wenn ein solches Projekt schlussendlich realisiert wird, muss man den Energiebedarf natürlich noch einmal genauer erfassen. Hier wird es aber so sein, dass auch nicht alle Wohneigentümergemeinschaften oder Eigentümer sich dem Projekt anschließen werden. Insofern geht der Gesamtenergiebedarf dann in der Realität vermutlich nochmal rauf oder runter.
Strategisch wird für ein solches Projekt interessant sein, welche Eigentümergemeinschaften zu Beginn des Projektes dabei sind. Erfahrungsgemäß werden manche erst einmal abwarten und vielleicht später dazustoßen wollen, und manche vielleicht sogar lieber eigene Lösungen bevorzugen. Ein „Ankerkunde“ wäre also hilfreich, der von vorneherein dabei ist und gleichzeitig auch schon eine gewisse Menge an Energie abnimmt, wäre also für eine Umsetzung hilfreich. Die Baugenossenschaft mit Ihren 1,9 GWh Energiebedarf pro Jahr für bereits 8 Gebäude ist dafür prädestiniert.
Ebenfalls nicht vergessen sollte man die beiden Schulen, Albertus Magnus Schule (AMS) und Alexander von Humboldtschule (AvH). Beide haben gemäß Wärmeatlas einen Energiebedarf von jeweils 1,5 GWh. Wenn sich zum Beispiel die AMS für eine Teilnahme entscheiden würde, hätte man schon eine gute Nachfrage, die mit einem kleinen Nahwärmenetz versorgt werden könnte. Ist dieses skalierbar aufgebaut, also können hier zusätzliche Wärmequellen nachgerüstet werden, kann man auch nach und nach das Netz ausbauen.
Weitere Ausbauoptionen könnten sich durch die Versorgung der Reihenhäuser in dem Stadtteil ergeben. Auch hier kann man einem geringen Aufwand an Nahwärmeleitung recht viele Häuser versorgen. Man könnte also mit den Mehrfamilienhäusern starten und wenn diese nach und nach ihren Wärmebedarf senken durch Isolierung von Dach, Fassade und Fenstern, könnte die dann überschüssige Wärme an die vielen Reihenhäuser abgegeben werden. Hier müsste man dann das Wärmenetz erweitern, könnte aber mit relatativ wenig Leitung viele Häuser erreichen.
Der Einfachheit rechnen wir für den ersten Schritt nun mit einem Energiebedarf von 6 GWh. Mal schauen, ob die Zeit noch zusätzliche Berechnungen für kleinere Energiemengen wie zum Beispiel 4 GWh zulässt. Interessant wird sein, inwieweit die Größe der Heizung sich auf die Wirtschaftlichkeit des Projektes auswirkt.
Im ersten Schritt geht es erst einmal um eine generelle Einschätzung zu diesem Projekt und vor allem seiner Wirtschaftlichkeit. Aus diesem Grund gehen wir davon aus, dass die Mehrfamilienhäuser in der Oststadt einen Wärmeenergiebedarf von 6 GWh pro Jahr haben! Wennd ie zweit es zulässt, rechnen wir das Projekt mit einem Wärmebedarf von 4 GWh, aber bei gleichem Fernwärmenetz.
