Alles so schön grün hier…

Zur Frage, ob Viernheim genug Grün hat oder ob es noch viel mehr braucht

Das Schöne an Viernheim ist, dass es inzwischen eine muntere öffentliche Diskussion zu politischen Fragenstellungen und Entscheidungen von Stadt und Stadtparlament gibt. Viele melden sich zu Wort, loben und kritisieren oder schließen sich zusammen, um für etwas oder auch gegen etwas zu argumentieren. Gerade das Viernheimer Tageblatt bietet gute Möglichkeiten für alle Bürgerinnen und Bürger sich zu äußern und sich einer Diskussion zu stellen. Diesen Beitrag für das demokratische Miteinander kann man gar nicht hoch genug wertschätzen.

Die meisten Äußerungen sind kritischer Natur. Nicht weil es in Viernheim so schlimm ist, aber das Positive nimmt man oft als Selbstverständlich hin und nur das Negative regt auf. In den letzten Wochen kamen aber auch einige Beiträge, die explizit Positives hervorheben. Das ist auch gut und gerechtfertigt, sollte dann aber auch nicht in die Banalität abgleiten und Selbstverständliches aufs Podest heben. Irgendwann sieht es sonst so aus, als würde man mit Positivem gegen die Kritik anschreiben und versuchen, diese zu entwerten.

So wurde vor ein paar Tagen in einem anderen Medium gelobt, dass es in Viernheim erstaunlich viel Grün gibt. Das war auch als Entgegnung gedacht für diejenigen, die kritisieren, dass es mehr Grün geben müsste. 8277 Bäumen würden im Stadtgebiet stehen und die Stadtverwaltung trägt die Mühen, das Grün zu pflegen. Der Autor war ganz begeistert von diesen Zahlen.

Jetzt klingen 8277 Bäume erst einmal viel angesichts der großen Zahl. Allerdings relativiert sich die Zahl, wenn man die Bäume auf die Fläche des engeren Stadtgebiets mit Wohnungen, Gewerbebauen, Straßen etc. verteilt. Dann werden aus den 8277 Bäumen auf den geschätzt rund 640 Hektar Fläche noch 12 Bäume pro Hektar, also 12 Bäume auf 10.000 Quadratmeter. Gar nicht mal so viel. Zugegeben sind in der Zahl nur die „städtischen Bäume“ enthalten, also die Bäume der Stadt auf öffentlichem Grund, die die Stadt vor ein paar Jahren mal hat zählen und registrieren lassen. Hinzu kommen natürlich noch tausende private Bäumen, die in der Zahl nicht enthalten sind.

Die Frage bleibt, ob das nun viel ist oder wir, gemäß der Kritik von vielen (und auch von uns), nicht noch viel mehr Grün brauchen? Das dürfte eine Frage der Perspektive sein. Die Stadt muss sich um die Pflege der 8277 Bäume kümmern. Wenn man 8277 Bäume gießen, pflegen, gelegentlich beschneiden etc. muss, dann sind das sicherlich ganz schön viele.

Was sagt der Stadtplaner dazu? Abgesehen davon, dass viel Grün in einer Stadt einfach schön ist, es kommt nicht auf die Anzahl der Bäume an! In Zeiten des Klimawandels und heißen Sommern helfen Bäume, die Stadt zu kühlen. Zum einen bringen sie Schatten und zum anderen kühlen sie durch die Verdunstung von Wasser die Umwelt. Bis zu acht Grad Unterschied kann man messen, wenn man eine mit Bäumen bestandene Straße und durch die Baumkronen überdachte Straße mit einer Straße ohne Bäume vergleicht. Es kommt also auf die Fläche an, die Baumkronen in der Stadt abdecken und damit beschatten. Zudem bringen Bäume und anderes Grün jede Menge Lebensqualität in die Stadt.

Experten sagen, dass mindestens 30 Prozent der Fläche eines Stadtgebietes mit Baumkronen bedeckt sein sollten, um die Folgen des Klimawandels für die Menschen in der Stadt halbwegs erträglich zu machen. 30 Prozent, besser 40! Je mehr Fläche die Baumkronen bedecken, umso mehr Schatten gibt es, die Straßen und Plätze können sich nicht so aufheizen, die Verdunstung des Wassers bringt zusätzlich Kühlung und das Mikroklima wird besser und angenehmer.

Wie viel Fläche wird in Viernheim von Baumkronen überdeckt? Leider haben wir dazu keine belastbaren Daten, aber ein Blick auf Satellitenbilder von Viernheim zeigt, dass da noch jede Menge Luft nach oben ist. Spannend wird es sein, wenn man die Fläche mal messen kann. Es gibt Projekte, die daran arbeiten, das aus Satellitenbildern heraus zu messen, eines davon sogar aus der näheren Region. Wenn wir dann in kurzen Zeitabständen messen können, ob die Fläche zu- oder abgenommen hat, können Politik und Bürgerschaft daraus ihre Schlüsse ziehen.

Letztendlich geht es um Lebensqualität und dazu leistet viel Grün einen guten Beitrag. Angesichts der Innenstadt, der vielen Straßen und Plätze in praller Sonne, den vielen Hitzeinseln in heißen Sommern reicht es nicht aus, über die Anzahl der 8277 Bäume zu staunen, sondern wir haben – ganz im Gegenteil – als Stadt noch eine Menge zu tun für die Lebensqualität und gegen das sommerliche Aufheizen der Stadt!

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