Warum gibt es das Bürgernetzwerk Viernheim?

von Stefan Reinhardt

Viernheim braucht kein neues Lager. Viernheim braucht ein neues Denken.

Es gibt Momente, in denen man sich entscheiden muss: Verwalten wir weiter – oder gestalten wir endlich?

Das Bürgernetzwerk Viernheim ist nicht gegründet worden, um ein weiteres politisches Etikett zu kleben. Wir sind nicht angetreten, um links, rechts oder irgendwo dazwischen zu sortieren. Wir sind angetreten, weil wir überzeugt sind: Das System kommunaler Entscheidungen ist zu eng geworden für das Potenzial dieser Stadt.

Und ja – das sagen wir bewusst im Wahlkampf.

110 Millionen Euro – und niemand findet Einsparpotenzial?

Der städtische Haushalt umfasst über 600 Seiten. Ein Jahr Arbeit von wenigen Fachleuten. Kurz vor Weihnachten landet dieses Werk bei den Stadtverordneten. Anfang Februar wird beschlossen. Wer einmal einen kommunalen Haushalt gelesen hat, weiß: Das ist kein Roman. Das ist ein Zahlenlabyrinth. Und wir reden nicht über Peanuts. Wir reden über rund 110 Millionen Euro. Mehrere Ausschüsse prüfen Einsparmöglichkeiten. Ergebnis: nichts.

Wirklich nichts? Wenn in einem Budget dieser Größenordnung keinerlei Optimierungspotenzial gefunden wird, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir haben die effizienteste Verwaltung der Republik. Oder das Verfahren selbst verhindert echte Durchdringung. Wir halten die zweite Option für wahrscheinlicher. Das ist kein Vorwurf an Personen. Es ist eine Kritik an Strukturen!

245 Menschen entscheiden. 34.500 schauen zu.

In der Verwaltung arbeiten rund 200 Menschen. In der Stadtverordnetenversammlung sitzen 45 Mandatsträger. Das sind engagierte Menschen. Keine Frage. Aber in Viernheim leben über 34.500 Bürgerinnen und Bürger.

Darunter: Bauingenieure mit Großprojekterfahrung, Unternehmer mit Budgetverantwortung, Energieexperten, IT-Spezialisten, Architekten, Juristen, Praktiker mit jahrzehntelangem Erfahrungswissen und vielem mehr

Warum tun wir so, als läge die gesamte Kompetenz in Sitzungssälen? Warum nutzen wir dieses Wissen nicht systematisch? Eine Stadt, die ihre kollektive Intelligenz ignoriert, entscheidet unter ihren Möglichkeiten.

Bürgerbeteiligung ist kein Event. Sie ist ein Qualitätsinstrument.

Wenn Millioneninvestitionen anstehen – Hallenbad, Sanierungen, Infrastruktur –, dann reicht es nicht, am Ende eine Präsentation zu zeigen und Fragen zuzulassen. Beteiligung muss früh beginnen. Strukturiert. Transparent. Fachlich offen. Nicht jeder Bürger muss mitentscheiden. Aber jeder mit Expertise sollte die Möglichkeit haben, sich einzubringen. Das ist keine Schwächung politischer Verantwortung. Das ist ihre Weiterentwicklung.

Kritik? Gerne.

Ja, wir werden angegriffen. Von etablierten Kräften. Von ehemaligen Amtsträgern. Das überrascht uns nicht. Neue Ideen erzeugen Reibung. Systemfragen erzeugen Widerstand. Aber eines ist klar: Wir kandidieren nicht, um mitzuspielen. Wir kandidieren, um Verfahren zu verändern. Es geht nicht um Posten. Es geht um Qualität von Entscheidungen.

Viernheim 2036

Stellen wir uns einen Sommertag auf dem Marktplatz vor. Die Innenstadt ist lebendig. Menschen diskutieren, ohne sich anzuschreien. Unterschiedliche Meinungen existieren – ohne dass sie Feindschaften produzieren. Man spürt: Diese Stadt gehört ihren Bürgern. Große Projekte entstehen im Dialog. Haushaltszahlen sind verständlich aufbereitet. Entscheidungen sind nachvollziehbar. Man ist nicht Zuschauer. Man ist Teil des Ganzen. Das ist keine Utopie. Das ist eine Frage des Systems.

Was wir wirklich wollen

Wir wollen kein neues Lager. Wir wollen: weniger Ideologie -> mehr Vernunft, weniger Ritual -> mehr Transparenz, weniger Lagerdenken -> mehr Verantwortung. Wir glauben nicht, dass 245 Menschen klüger sind als 34.500. Wir glauben an die Intelligenz dieser Stadt.

Und wir sind überzeugt: Viernheim ist bereit für den nächsten Schritt. Nicht lauter. Nicht radikaler. Sondern klüger!

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