Bürgernetzwerk: Entsiegelung und mehr Grün auf ungenutzten Betonbrachen und Verkehrsflächen
Mit einem Antrag zur Erfassung und Entsiegelung versiegelter Flächen setzt das Bürgernetzwerk Viernheim ein Zeichen für mehr Klimaschutz und eine nachhaltige Stadtentwicklung. Ziel ist es, die Folgen zunehmender Hitzewellen und tropischer Sommernächte in der Stadt abzumildern und das lokale Mikroklima nachhaltig zu verbessern. Nach Auffassung des Bürgernetzwerks zählen die Auswirkungen des Klimawandels inzwischen zu den zentralen Herausforderungen kommunaler Politik. Versiegelte Flächen aus Stein, Beton und Asphalt heizen sich tagsüber auf über 50 Grad auf und geben diese Hitze nachts wieder ab. Dies belastet und schadet nicht nur Pflanzen und Bäume, sondern auch die Gesundheit von Menschen (sogenannter Hitzestress).
Der Antrag sieht vor, dass die Stadtverwaltung zunächst eine Kartierung aller öffentlichen Beton-, Asphalt- und Teerflächen ab einer Größe von ca. fünf Quadratmetern erstellt, die keine oder nur noch eine geringe Verkehrsfunktion erfüllen. Anschließend sollen die Kosten für eine mögliche Entsiegelung und Begrünung dieser Teer- und Betonbrachen einschließlich geeigneter Baumstandorte ermittelt werden. Darüber hinaus fordert das Bürgernetzwerk eine Prüfung, inwiefern Fassadenbegrünungen an städtischen Gebäuden möglich sind. Zusätzlich sollen Fördermöglichkeiten entwickelt werden, um auch private Hauseigentümerinnen -und Eigentümer zur Begrünung ihrer Fassaden zu motivieren.
Als Beispiele für potenzielle Entsiegelungsflächen nennt der Antrag verschiedene Bereiche im Stadtgebiet, die durch Straßenumbauten oder Verkehrsberuhigungsmaßnahmen entstanden sind. Dazu gehören unter anderem die Einmündungen Weinheimer Straße/L3111, Friedrich-Ebert-Straße/Wiesenstraße, Bürgermeister-Lamberth-Straße/Tivoli sowie Heinrich-Lanz-Ring/Mannheimer Straße. Dort sind auf Verkehrsinseln oder durch Abmarkierungen größere asphaltierte oder betonierte Flächen vorhanden ohne verkehrliche Nutzung. Auch versiegelte Mittelstreifen, etwa entlang der Heidelberger Straße, sowie versiegelte Wege und öffentliche Parkflächen könnten nach Ansicht der Antragsteller überprüft werden. Für Flächen, die sich nicht sinnvoll entsiegeln lassen, sollen alternative Nutzungen entwickelt werden, z.B. mit Photovoltaikanlagen überdachte Parkplätze, begrünte Konstruktionen (Mooswände) oder Pflanzkübel.
Das Bürgernetzwerk verweist dabei auf das Prinzip der „3Vs“: Versickerung, Verschattung und Verdunstung. Durch mehr Grünflächen und weniger versiegelte Böden kann Regenwasser besser aufgenommen werden, während Pflanzen und Bäume durch Schatten und Verdunstung für eine natürliche Kühlung sorgen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind daher ein Beitrag zur kommunalen Klimafolgenanpassung und zur Verbesserung der Lebensqualität in Viernheim, so Stadtverordnete Sabine Martin vom Bürgernetzwerk Viernheim.

