Wohnen ist in Viernheim ein großes Thema. Die einen wünschen sich mehr Platz, die anderen eine kleinere, bezahlbare Bleibe. Seniorengerecht soll es sein, niedrige Energiekosten wären wünschenswert. Alternative Wohnformen wie Tinyhouses oder gemeinschaftliches Wohnen stoßen daher auf wachsendes Interesse. Das Viernheimer Bürgernetzwerk hat sich in der Region umgeschaut, ist in Mannheim beim genossenschaftlichen Wohnprojekt OIKOS fündig geworden und hat Interessierte am 21. März eingeladen, das Projekt zu besichtigen.

Vor Ort gab es eine Einführung in die Eckpunkte: genossenschaftliches Wohnen, sehr demokratisch aufgebaut, lebenslanges Wohnrecht, Gemeinschaftseigentum und realistische Mieten. Besonderes Augenmerk liegt auf Barrierearmut, jede Wohnung hat einen Balkon. In OIKOS leben 30 Erwachsene und 14 Kinder zwischen zwei und 74 Jahren in 21 abgeschlossenen Wohnungen (ein bis vier Zimmer). Die Wohnungen sind über einen Laubengang erschlossen, der gleichzeitig Treffpunkt ist.
Das Gebäude überzeugt auch energetisch: Holzfassade, Fassadenbegrünung, Bau nach KfW 40 Plus, Photovoltaik auf dem Dach, Wärmepumpe und Pelletheizung. Jeder hat zwar seine eigene Wohnung als Rückzug, aber viele anfallende Aufgaben werden gemeinschaftlich gelöst. Es gibt Arbeitsgruppen und Patenschaften für Räume wie Werkstatt, Sauna oder Gästezimmer. Es wird viel gefeiert. Ziel ist es auch, die Menschen in den Nachbarhäusern kennenzulernen und zum Zusammenwachsen des neuen Quartiers Spinelli beizutragen.

Nach dem Vortrag, bei dem schon viele Fragen beantwortet wurden, folgte ein Rundgang durchs Haus. Eine Wohnung konnte ebenfalls besichtigt werden. Die Bewohner zeigten ihr Haus gerne und warben für ihr Wohnmodell. Zum Abschluss gab es eine Tanzvorführung mit akrobatischen Einlagen zweier Kinder, die dort wohnen. Die Viernheimer waren angetan. Der eine oder andere könnte sich eine solche Wohnform vorstellen, für andere war es zu viel Gemeinschaft. Klar ist: Ein solches Projekt wird nur dann gut, wenn alle aktiv daran arbeiten.
Die Viernheimer Gruppe zeigte sich angetan von den Eindrücken. Der eine oder andere konnte sich durchaus vorstellen, eine solche Wohnform selbst auszuprobieren. Für andere war es dann doch zu viel Gemeinschaft – aber genau das zeige, so die Teilnehmer, die ganze Palette dessen, was in neuen Wohnformen möglich ist. Klar wurde an diesem Nachmittag aber auch: Ein solches Projekt lässt jede Menge Raum, es so zu gestalten, dass es für alle passt. OIKOS hat sich für seinen Weg entschieden – mit anderen Menschen sieht es möglicherweise auch anders aus. Fakt dürfte aber sein, dass gemeinschaftliches Wohnen, wenn man sich drauf einlässt, ein attraktives Wohnmodell ist.

Der Besuch ist Teil einer Reihe des Bürgernetzwerks zu Themen wie Wohnformen, Bildung, Energiewende und Stadtentwicklung. Der Blick über den Tellerrand liefert Ideen für die eigene Stadt. Das Bürgernetzwerk betreibt einen Veranstaltungskalender auf seiner Webseite und informiert über einen Mailverteiler über weitere Aktivitäten.

Wer sich für diese Art des Wohnens interessiert, kann sich mal das Wohnprojekt Elias in Mannheim anschauen. Dieses entsteht gerade und lädt zum Mitwirken ein: https://www.wohnprojekt-elias.de/
